Villa Hügel

Die Villa Hügel im Essener Stadtteil Bredeney wurde 1870–1873 von Alfred Krupp errichtet und ist das ehemalige Wohn- und Repräsentationshaus der Industriellenfamilie Krupp.

Die Villa verfügt auf ihren 8.100 Quadratmetern Wohn- und Nutzfläche über 269 Räume und liegt – an prominenter Stelle über dem Ruhrtal und dem Baldeneysee – im 28 Hektar großen zugehörigen Hügelpark.

Heute ist die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung Eigentümerin des Anwesens. In der Villa Hügel hat auch die Kulturstiftung Ruhr ihren Sitz. Im Haus finden regelmäßig Veranstaltungen, z.B. Konzerte oder Ausstellungen, statt. Zahlreiche historische Räume sowie die Historische Ausstellung Krupp können zu den regulären Öffnungszeiten besichtigt werden.

Geschichte:

Vorgeschichte:

Die Entstehung der Villa Hügel geht einher mit den Veränderungen in der Friedrich Krupp AG. 1862 wurde durch Alfred Krupp die Prokura in der Firma eingeführt. Er beabsichtigte damit seine Rolle in dem stark gewachsenen Unternehmen auf die strategischen Entscheidungen und die Aufsichtsfunktion zu beschränken. War es bis dato üblich, auf dem Unternehmensgelände zu leben, spiegelt sich dieser „Rückzug“ auch in der Verlagerung des Wohnsitzes der Familie wider.

Im Herbst 1863 besichtigte Krupp das heutige Gelände der Villa und entschloss sich im Januar 1864 so viel wie möglich des damaligen Gutes Klosterbuschhof zu erwerben. Um den Umzug zu beschleunigen, wurde zunächst der Klosterbuschhof um einen Turm erweitert und zu einer Villa umgebaut. Erste Skizzen des Baues wurden von Krupp selbst entworfen und dem unternehmensinternen Baubüro, zunächst unter der Leitung von Ferdinand Barchewitz, ab 1863 unter der Leitung von Gustav Kraemer, zur weiteren Bearbeitung vorgelegt. Barchewitz fertigte, nachdem Kraemer die Leitung des Baubüros übernommen hatte, Pläne nach den Skizzen Krupps an, die als Grundlage für die weiteren Planungen dienten.

Der Bau der Villa:

Nachdem Bodenuntersuchungen gezeigt hatten, dass sich auf dem Gelände etliche alte Schachtanlagen befanden, die im Zuge der Bauarbeiten gesichert werden mussten, begannen 1869 schließlich die Arbeiten an der eigentlichen Villa. Aus Nizza wies Krupp die Prokura an, die Arbeiten für die Anlage des Fundamentes vorzubereiten. Für die Umsetzung wurde als erstes ein Architekt gesucht. Am 15. April 1869 erschien in der Deutschen Bauzeitung eine entsprechende Annonce. Da diese jedoch ohne die erhoffte Resonanz blieb, wurden am 30. September zwei weitere Anzeigen veröffentlicht. Der Mangel an Verständnis, der den Konflikt zwischen den späteren Architekten und dem Bauherrn auslösen sollte, begann sich jetzt schon abzuzeichnen. So drängte Krupp auf eine Ausschreibung der Materialien für den Bau der Villa und die Anlage eines Hafens für deren Antransport, obwohl noch keine konkreten Planungen für die Gebäude vorlagen. Die Tatsache, dass keine brauchbaren Pläne vorlagen, aus denen die spätere Gestalt der Villa zu ersehen war, erschwerte zudem die Suche nach einem Architekten. So lehnte beispielsweise Richard Lucae eine Anstellung mit der Begründung ab, dass Barchewitz’ Pläne aus seiner Sicht komplett überarbeitet werden müssten.

Da sich bis zum 4. Oktober noch kein passender Architekt gefunden hatte schlug Kraemer vor, sich an den Kölner Dombaumeister Richard Voigtel zu wenden, um zumindest die Materialfrage klären zu können. Auch weil Krupp Angst vor Feuer hatte, wurden beim Bau wo immer möglich nichtbrennbare Materialien wie Stein, Stahl oder Glas verwendet. Des Weiteren begab er sich persönlich auf die Suche nach qualifizierten Architekten, die das Projekt realisieren sollten. Dabei stellten sich allerdings zwei Punkte als größte Schwierigkeit heraus: Zum einen wurden die Pläne von Barchewitz als indiskutabel angesehen, und zum anderen schreckte die häufige Einmischung Krupps und seine Ansicht über die Rolle des Architekten als Erfüllungsgehilfe seiner Vorstellungen kompetente Fachleute ab. Diese von Kraemer geäußerte Kritik prallte an Krupp allerdings ab.

In einem Brief vom 13. Oktober 1869 antwortete er Kraemer: „Wenn es auch nicht in Berlin ist, so wird der Rest des großen civilisierten Erdballs doch wohl einen Dirigenten der praktischen Arbeit liefern, wie wir ihn brauchen … An Größen und Lagen, so wie Verbindungen der Räume und an Lage der Gebäude will ich nichts ändern lassen, denn ich will das Ganze nach meinen Begriffen wie Comfort und Annehmlichkeit ausgeführt haben und dies kann nur hier unter meinen Augen bei täglicher Besprechung gelingen.

Am 23. und 24. Januar 1870 trafen sich Richard Voigtel, Paul Emanuel Spieker, Julius Emmerich, Gustav Hans Karl Diechmann und Gustav Kraemer zu einer Konferenz über den Bau der Villa. Ferdinand Barchewitz wurde schon nicht mehr eingeladen. Das Verhältnis zwischen ihm und Krupp hatte sich zwischenzeitlich abgekühlt, und er war ab diesem Tag nur noch für die Neben- und Wirtschaftsgebäude zuständig. Spieker erklärte sich bereit, die Pläne Barchewitz’ zu überarbeiten. Zusammen mit Johann Eduard Jacobsthal legte er Krupp eine überarbeitete Planung vor. Die Änderungen, wie Loggien oder Balkone, wurden von Krupp allerdings abgelehnt und mussten aus den Plänen wieder gestrichen werden.

Spieker kommentierte den Ablauf der Planung einmal in einem Brief an einen Kollegen: „Bei dem schleierhaften Geheimnis aber, das die Verhältnisse bedeckt, fährt man mit einer Stange im Nebel herum!“ Anschließend begab er sich auch auf die Suche nach einem geeigneten Architekten für die Bauleitung. Allerdings wies er Krupp darauf hin, dass allein dessen Vorstellung bezüglich des Gehaltes von 2400 bis 3000 Talern pro Jahr keinen namhaften Architekten anlocken würde. August Orth beispielsweise habe, so berichtete er, seines Wissens ein Einkommen zwischen 6000 und 8000 Talern pro Jahr. Sein erster Vorschlag, Victor von Weltzien, wurde von Krupp aufgrund seiner adeligen Herkunft abgelehnt. Auch sein zweiter Vorschlag, Eduard Schwarz, traf auf wenig Gegenliebe, da dieser sein Baumeisterexamen nicht abgeschlossen hatte. Nach einem intensiven Briefwechsel kam es am 1. April 1870 schließlich doch zur Einstellung von Schwarz, so dass die Bautätigkeit wieder aufgenommen werden konnte.

Die Bauleitung stand von Anfang an unter großem Druck. Nach dem Beginn der Arbeiten musste Schwarz als erstes schriftlich versichern, dass der Rohbau bis Oktober 1870 fertiggestellt sein würde. Hinzu kamen die häufigen Rügen und Ermahnungen von Krupp. So wurde jegliches herumliegende Material, das sich nicht an seinem vorgesehenen Platz befand, durch Krupp schriftlich vermerkt. Nach der Fertigstellung der Kellerdecke am 15. Juli wurde bei der Baupolizei schließlich der Antrag für den Bau eines Wohnhauses gestellt. Obwohl die Grundstücksfläche nicht bekannt war, erfolgte die Genehmigung ohne Probleme.

Im gleichen Jahr wurden die Arbeiten durch den Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges am 19. Juli überschattet. Die Mehrzahl der französischen Steinmetze verließ die Baustelle und ein Teil der deutschen Arbeiter wurde zum Militärdienst eingezogen. So waren am Bau nur noch vierzig Steinsäger, 300 Maurer und 450 Erdarbeiter beschäftigt. Hinzu kam, dass Spieker und Jacobsthal vorzeitig ihre Stellen aufgaben und somit die Pläne nicht vollständig überarbeitet wurden. Im August wurde durch Schwarz eine Konferenz aller am Bau Beteiligten einberufen, da mehr und mehr offensichtlich wurde, dass der Termin der Fertigstellung nicht mehr einzuhalten war. Aufgrund des Material- und Personalmangels wird die Fertigstellung des Rohbaues auf den 30. November verschoben. Des Weiteren wurde ein Teil der Verkleidung mit Naturstein durch Ziegel ersetzt. Zudem mussten Warnungen, dass im südöstlichen Bereich des Hauptgebäudes Bergschäden zu befürchten seien, ignoriert werden, da sonst der Bauablauf gefährdet würde. Im November konnte dann der Rohbau zum neuen Termin fertiggestellt werden.

Doch bereits zu diesem Zeitpunkt zeigten sich Risse im Bauwerk. So sollten die betroffenen Fundamente untermauert werden. Da die notwendigen Bodenuntersuchungen noch nicht abgeschlossen waren, konnte der Umfang der Arbeiten noch nicht abgeschätzt werden. Heftige Regenfälle hatten im Herbst die Fundamente unterspült, so dass am 23. Dezember 1870 der Boden unter der südwestlichen Ecke rund 20 cm absackte und der Erker vom Gebäude abgerissen wurde. Der Zorn Krupps über dieses Unglück richtete sich fast ausschließlich gegen Schwarz, der an jenem Tag bereits bei seiner Familie in Berlin weilte. In einem zwölfseitigen Schreiben machte er seinem Ärger Luft. So schrieb er, Schwarz habe es vorgezogen, „dem Vergnügen nachzugehen, schon am Werktage Sonnabend die Arbeit verlassen, statt die Feiertage der Sicherung des Baues zu widmen“.

Die Zeit für Schwarz begann abzulaufen. Die Bauleitung wurde an die Baufirma Funcke und Schürenberg übertragen. Kraemer, der auch von den Vorgängen betroffen war, nahm Schwarz in einem Schreiben vom 28. Dezember in Schutz und drohte sogar damit, wenn die Anordnung Krupps bezüglich der Bauleitung nicht rückgängig gemacht würde, mit der Kündigung. In einem weiteren Schreiben Kraemers vom 4. Januar 1871 schlossen sich dem etliche leitende Angestellte des kruppschen Baubüros an. Zudem wurde der Fertigstellungstermin, den Krupp eigenmächtig auf Oktober 1871 festgelegt hatte, nicht akzeptiert. Krupp reagierte, indem er ein separates Baubüro für die Baustelle einrichtete und Julius Rasch mit der Leitung des Büros beauftragte. Kraemer war ab diesem Tag nur noch für die Bautätigkeiten auf dem Werksgelände zuständig. Schwarz war nun Rasch unterstellt. Daraufhin reichte er umgehend Urlaub ein. Schließlich folgte am 1. März 1872 seine Entlassung.

Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit veranlasste Rasch zahlreiche Änderungen in der Organisationsstruktur des Baubüros. Mit diesem Vorgehen brachte er einen Großteil der Belegschaft gegen sich auf. Trotzdem wurden die Arbeiten wieder aufgenommen, gingen aber Krupp nicht schnell genug voran.

Rasch ging es, was das Verhältnis zu Krupp anbelangte, nicht besser als seinen Vorgängern. Bereits im Mai 1872 setzte sich Krupp mit Paul Emanuel Spieker in Verbindung, damit dieser, zusammen mit Johann Eduard Jacobsthal, Rasch fachlich in seine Schranken weisen sollte. Zudem wurde auch er mit Rügen und Mahnungen überhäuft. Schlussendlich wurde die Villa unter der Leitung von Rasch fertiggestellt und es folgte am 10. Januar 1873 der Einzug der Familie Krupp. Damit wurde die geplante Bauzeit um rund anderthalb Jahre überschritten.

Die Villa im Wandel der Generationen

1888–1902: Friedrich Alfred Krupp

War die Innenausstattung von Zeitgenossen Alfred Krupps noch als eher bescheiden und zurückhaltend beurteilt worden, so legte Friedrich Alfred Krupp mehr Wert auf prächtige, komfortable Wohnräume. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Margarethe Krupp (1854–1931) legte er – beraten durch seinen Schwager Felix von Ende – den Grundstock für die Krupp’sche Kunstsammlung, in der die bedeutende Sammlung flämischer Wandteppiche (zwischen 1500 und 1760) hervorstach. Für das Amusement der Krupps und ihrer prominenten Gäste ließ man Tennisplätze, Reitanlagen, Lese- und Spielzimmer, sowie ein Gesellschaftshaus mit einer Kegelbahn anlegen.

Die Anzahl der Bediensteten stieg ebenso rapide an wie der Umsatz der Firma: 1876 war man noch mit 66 Angestellten ausgekommen, doch 1902 reichten gerade 570 Mitarbeiter für die „Hofhaltung“ Krupps. In dieser Zeit ist auch ein reger Besucherverkehr auf der Villa festzustellen (siehe auch: Abschnitt „Gesellschaftliches Leben“)

1902–1915: Bertha Krupp von Bohlen und Halbach

Bertha Krupp, die Enkelin des Bauherrn, erbte 1902 das Weltunternehmen im Alter von nur 16 Jahren. Vier Jahre später heiratete sie Gustav von Bohlen und Halbach, der somit der neue Hausherr der Villa Hügel wurde. Das kinderreiche Paar belebte die Villa von Neuem und gab zahlreiche Umbauten in Auftrag (siehe auch: Abschnitt „Umbauten“). Die bereits prächtige Inneneinrichtung erweiterte man mit Überschwang, ebenso die Sammlungen Friedrich Alfred Krupps.

1915–1952: Alfried Krupp von Bohlen und Halbach

Die 1920er Jahre gingen ohne größere Veränderungen ebenso wie der Erste Weltkrieg an der Villa vorbei. Nach dem Tod von Margarethe Krupp 1931 nutzten Bertha, Gustav und Alfried Krupp von Bohlen und Halbach das Kleine Haus zeitweise als Wohnsitz. Alfried Krupp übernahm 1943 die Firma Fried. Krupp. Er war der letzte Familienangehörige, der die Villa Hügel bewohnte. Im April 1945 wurde das Anwesen von der amerikanischen Besatzungsmacht beschlagnahmt und zum Sitz der Alliierten Kohlenkontrollkommission erklärt. 1952 erhielt es die Familie zurück.

Die Villa Hügel heute

1953 öffnete die Familie Krupp ihren früheren Wohnsitz für die Öffentlichkeit. Seitdem finden hier Ausstellungen statt. Daneben diente die Villa Hügel weiter als Repräsentationsort für den Krupp-Konzern. 1984 rief Berthold Beitz die Kulturstiftung Ruhr ins Leben, die in der Nachfolge der Villa Hügel e.V. die großen Kunst- und Kulturausstellungen in der Villa organisiert. Das Hauptgebäude mit vielen historischen Räumen ist heute zu besichtigen. Im Nebengebäude, dem Kleinen Haus, ist die Historische Ausstellung Krupp untergebracht. Seit 1905 ist in der Villa auch das Archiv Krupp beheimatet.

Innere Aufteilung der Villa:

Wie die äußere Erscheinung des Gebäudes wurde auch die Aufteilung im Inneren durch Alfred Krupp selbst festgelegt. Im Erdgeschoss sollten sich die gesellschaftlichen Räume befinden. Diese wurden, in Dreiergruppen zusammengefasst, um die große Halle gruppiert. Der erste Stock war für die privaten Räume vorgesehen. Zu diesen zählten auch private Geschäftsräume. In der zweiten Etage waren, neben den Räumen für das Personal, auch Dachboden- und Stauräume untergebracht. Das Kellergeschoss wurde von der Küche, den Vorratsräumen und den Baderäumen für das Personal eingenommen. Diese Anordnung wurde, auch wenn sich die Wohnvorstellungen der auf Alfred Krupp folgenden Generationen änderten, bis zum Ende der Bewohnung der Villa beibehalten.

Technische Ausstattung der Villa

Planungsziel war es, in der Villa die neuesten technischen Errungenschaften dieser Zeit zu installieren.

Heizung

Warmwasserheizung

Alfred Krupp verlangte von der Anlage, dass jeder Raum auf eine individuelle Temperatur beheizt werden könne und die Luft frei von jeglichen Gerüchen zu sein habe.

Die ersten Skizzen dieses Systems stellten das Haupthaus mit einem trommelförmigen, geschlitzten Lüftungsaufsatz dar. Diese erinnerte an die zu dieser Zeit üblichen Systeme zur Belüftung der Krupp-Gussstahlfabrik. Abgesehen von einer aufgesetzten Fahnenstange sollte diese technische Einrichtung auch in keiner Weise kaschiert werden. Krupp entschied sich für eine Niederdruckwarmwasserheizung und ließ diese von der Firma Berliner Kupfer- und Messingwerke C. Heckmann ausführen. Geplant waren zwei Heizkessel, die sich in der Mitte des westlichen Kellergeschosses befanden. Davon versorgte der südliche die östliche Hälfte des Gebäudes, während der nördliche für den westlichen Teil vorgesehen war. Die Versorgungsleitungen wurden unter der Decke des Kellergeschosses verteilt und zweigten dann durch Maueraussparungen senkrecht in die einzelnen Etagen ab. Die Heizkörper waren säulenförmig ausgebildet und standen wie separate Öfen an den Wänden. Die in den Ecken befindlichen wurden dabei wie griechische Säulen mit Kapitellen und Füßen versehen. In den größeren Räumen waren die Heizkörper hinter Verkleidungen versteckt. Alle Heizkörper waren von Röhren durchzogen, durch die Luft strömte. Insgesamt kostete die Anlage rund 100.000 Taler, etwa ein Sechstel der Gesamtkosten.

Dass sich diese Technologie zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen befand, spürten die Krupps bereits unmittelbar nach dem Einzug. Bereits am ersten Tag bezeichnete Alfred Krupp die Ventilation der Heizung als unbrauchbares System. Im Februar schrieb er an den Dresdner Ingenieur Carl Friedrich Emil Kelling: „Im Haus wird Einer nach dem Anderen krank von Zug.“ So musste diese schon nach kurzer Zeit außer Betrieb genommen werden. Dieser Mangel führte schließlich im Sommer 1873 zur Entlassung von Julius Rasch.

In den folgenden Jahren wurde das Heizsystem mehrfach modifiziert und repariert. Die Erwartungen von Krupp erfüllte es nie. Noch der Urenkel von Alfred Krupp, Berthold von Bohlen und Halbach, konnte sich 1982 erinnern, dass regelmäßig zu Beginn jeder Heizperiode die Familie von einer Infektionswelle heimgesucht wurde.

Anzumerken bleibt, dass der Hauptgrund für das Scheitern der ersten Heizungsanlage die Dimension des Haupthauses war. Das gleiche System, das auch im kleineren Logierhaus installiert war, funktionierte zur Zufriedenheit des Hausherrn. Er sagte im Zusammenhang mit den Umbauplänen, „daß das Übrige im kleinen Haus so bleibe, denn die Heizung kann sehr gut reguliert werden“.

Erste Warmluftheizung

Im Haupthaus befindet sich eine Kruppsche Erfindung der unbekannteren Art, die jedoch bis heute vielfach eingesetzt wird: Die erste moderne Warmluftheizung der Welt. Diese Kombination aus Heizung und Lüftung ist so gesehen der Vorläufer der Klimaanlage.

Bereits 1873 schlug eine Prüfkommission vor, das System um ein Einblas- und Absaugsystem zu ergänzen. Dies wurde allerdings aus Kostengründen abgelehnt. Ein weiterer Vorschlag war, eine elektrische Beleuchtung einzusetzen. Die Erwärmung der Luft durch die Gasbeleuchtung war ein großes Problem, da diese in Verbindung mit dem Treppenhaus einen großen Teil des Zuges in dem Haus erzeugten. Die junge elektrische Beleuchtung, Edison hatte die Glühlampe im selben Jahr erst patentieren lassen, konnte dieses Problem beseitigen.

Nachdem mehrere Angebote eingeholt waren, wurde am 27. März 1882 eine Krisensitzung im Gartenpavillon der Villa einberufen. Da Krupp offensichtlich aus dem Kompetenzgerangel beim Bau der Villa gelernt hatte, sollte die Leitung des Umbaues in der Hand einer Spezialfirma liegen. Beschlossen wurde zudem, die bisherige Warmwasserheizung durch eine Warmluftheizung zu ersetzen.

Hierzu sollten die Kessel durch sogenannte Caloriferen ersetzt werden. Es war geplant, diese in einem rund 50 Meter vom Logierhaus zu errichtenden neuen Gebäude unterzubringen. Dort sollte die Außenluft angesaugt, auf rund 50 °C erhitzt und in die Gebäude geleitet werden. Geplant war, rund 40.000 m³ Kaltluft pro Stunde zu erhitzen und diese in das Haupt-, Logier- und Bibliotheksgebäude zu leiten. Von diesen sollten rund 27.500 m³ mit 213 Litern Wasser angefeuchtet werden. Ein Teil der vorhandenen Öfen konnten für die neue Heizung genutzt werden. Trotzdem mussten 105 neue Heizöffnungen geschaffen werden, 51 davon im Erdgeschoss. Während die zugeführte Luft in mehrere gemeinsame Rohre innerhalb des Hauses verteilt wurde, erfolgte die Ableitung der Abluft für jeden Raum über ein separates Rohr. Um den Sog zu verstärken, wurden die Rohre aus den Anrichten, Küchen, Spülen und Toiletten mit Gasflammen versehen. Der Austritt der Abluftrohre lag dicht hinter der Dachbalustrade, dabei waren je Zimmer mindestens zwei vorgesehen, wobei die obere im Sommer und die untere im Winter genutzt wurde. Diese konnten sowohl vom Zimmer als auch aus dem Keller gesteuert werden.

Das Heizgebäude war so angeordnet, dass durch das Dach der Bibliothek selbst der 18 Meter hohe Kamin nicht zu sehen war. Dort waren drei Caloriferen angebracht, wobei zwei für das Haupthaus vorgesehen waren. Vorgesehen war, diese mit Hygrometern und Anemometern zu versehen, um die Anlage quasi fernzusteuern.

Die Feuerprobe hatte die Anlage im Winter 1882/83. Wie schon bei der ersten Heizung, lief die Anlage nicht so wie gewünscht. Auf der einen Seite wurden die oberen Räume nicht warm, die Keller- und Erdgeschossräume dagegen so heiß, dass sich das Parkett im Parterre verzog. Zudem waren die Ventilatoren der Anlage im gesamten Haus zu hören. Krupp äußerte Vermutungen, dass beim Bau von den Planungen abgewichen worden sei. So ist ein undatiertes Schreiben überliefert, in dem andere Besitzer des gleichen Heizsystems angeschrieben wurden, um über deren Heizungen und deren Funktion Auskunft zu geben.

Um doch noch zu einem zufriedenstellenden Betrieb der Heizung zu gelangen, ordnete Krupp einen umfassenden Testlauf an. So sollten bei verschiedenen Wetterlagen die verschiedenen Einstellungen der Heizung erprobt werden. Er selbst wollte erst wieder in das Haus ziehen, wenn der Heizer in der Lage war, mindestens 14 Tage die Räume wie ursprünglich vorgesehen zu beheizen. Die Messreihe begann am 8. März 1883 und endete am 31. März bei Temperaturen zwischen -3 °C und +7 °C. In dieser Zeit wurden insgesamt 59,4 Tonnen Kohle und 12,1 Tonnen Koks verbraucht. Der durchschnittliche Wasserverbrauch lag bei 370 Litern pro Stunde.

Ob die Anlage insgesamt zur Zufriedenheit der Benutzer funktionierte, ist nicht bekannt.

Zweite Warmluftheizung:

Nach dem Bau eines neuen Wasserwerks im Jahr 1914 wurde die Warmluftheizung durch eine moderne Dampf-Fernheizung ersetzt. Diese übernahm zudem auch die Zubereitung des Warmwassers.

Wasserversorgung:

Da man offensichtlich der Versorgung der Villa über das Wasserwerk der Stadt Essen nicht traute, gab es bereits 1870 erste Hinweise auf eine Planung für ein separates Wasserwerk für die Villa. Am 27. Juni 1865 wurde bereits ein Vertrag zwischen der preußischen Regierung und Alfred Krupp für die Entnahme von 300 l Wasser pro Minute abgeschlossen. Da sich nach ersten Kalkulationen der erwartete Wasserverbrauch für die Kruppschen Anlagen größer gestaltete, stellte man einen Antrag auf 0,25 m³ pro Sekunde. Da nicht näher erläutert wurde, wofür eine größere Menge erforderlich war, wurde dieser Antrag abgelehnt. Nachdem erläutert wurde, dass geplant war, auch die Arbeitersiedlung über dieses Wasserwerk mit zu versorgen, gab man dem Antrag statt und erlaubte die Entnahme von 0,08 m³ pro Sekunde.

Im Wasserwerk wurden Woolfsche Balancier-Dampfmaschinen für die Förderung des Wassers eingesetzt. Gefördert wurde das Wasser in oberhalb der Villa gelegene Bassins, um auch im Falle eines Ausfalles die Wasserversorgung und vor allem die Bereitstellung von eventuell notwendigem Löschwasser zu gewährleisten. Die Bassins waren darauf ausgelegt, den Bedarf von acht Tagen aufzunehmen.

Das Wasserwerk wurde Ende 1874 fertiggestellt, und die drei Pumpen nahmen am 10. Dezember ihren Betrieb auf. 1880 folgte eine vierte Pumpe.

Auch bei der Wasserversorgung gab es Gründe zur Beanstandung. So schrieb Krupp: „Die horizontale Leitung der Rohre und der Druck in denselben verursachen bei jedesmaligem Gebrauch einen Schlag, der in allen Räumen hörbar ist, im Schlafzimmer hört man jedesmal den Gebrauch eines Closetts durch einen Schlag angekündigt.“

1882 begann man damit, die Wasserleitungen zu erneuern. Nichtsdestoweniger nahm die Qualität des Wassers stetig ab. Ab 1897 musste das Trinkwasser abgekocht werden. Alternativ zur Wasserentnahme aus der Ruhr versuchte man die Wasserversorgung über Brunnen zu realisieren, was aber aufgrund der täglichen Menge von 1.925 m³ nicht gelang. Kurzfristig musste sogar Wasser aus dem städtischen Netz bezogen werden. 1901 baute man das Wasserwerk Wolfsbachtal mit einer Jahreskapazität von 12.000.000 m³. Mit diesem versorgte man von da an sowohl die Villa als auch die Gussstahlfabrik. Die benötigte Menge an Wasser betrug im Jahre 1916 rund 600.000 m³. Die alten Pumpen wurden 1952 endgültig durch neue ersetzt.

Gasbeleuchtung:

Anfänglich bestand Alfred Krupp darauf, dass innerhalb des Hauses nur Öl-, Stearin- oder Wachsbeleuchtung eingesetzt werden durfte. Trotzdem wurden in dem Gebäude von Anfang an Gasleuchten installiert. Zunächst sollten nur die Räume des Personals mit Gasbeleuchtung ausgestattet werden, doch schon Planungen aus dem Jahr 1870 wiesen allein für die Baderäume der Familie sieben Gasleuchten aus. 1883 war dann das Haus komplett mit Gas beleuchtet. Aufgrund der nachträglichen Installation der Gasbeleuchtung waren die Absperrhähne und Leitungen im gesamten Haus zu sehen.

Um die Villa mit Gas zu versorgen, wurde am 1. September 1870 der Antrag auf Einrichtung einer Gasfabrik gestellt. Diese wurde am 17. Dezember von der preußischen Landesregierung in Düsseldorf genehmigt. Die Fabrik sollte unterhalb der Villa an der Ruhr liegen. Eröffnet wurde diese im Oktober des folgenden Jahres und lieferte anfangs rund 360.000 m³ pro Jahr. Anfangs reichte diese Kapazität für die Versorgung der Anlage aus. Erst 1907, als der Tagesbedarf auf rund 2000 m³ anstieg, war die Leistungsfähigkeit der Anlage erschöpft. Ab da war man gezwungen, zusätzlich Gas aus der Fabrik zu beziehen. 1911 gab man dann die Gasfabrik an der Ruhr auf. Ab 1926 ging die Versorgung ganz in die Hände der Stadt Essen über. 1935 wurde die letzte Beleuchtung nach rund 64 Jahren von Gas auf Strom umgestellt.

Neben der Beleuchtung wurden zudem die Öfen in der Küche mit Gas beheizt.

Elektrische Beleuchtung:

Bereits beim Bau wurde in der Villa elektrischer Strom verwendet. Zunächst fand dieser allerdings nur für den Betrieb der Telegraphen Verwendung. Elektrische Beleuchtung wurde erst 1880 durch Alfred Krupps Hausarzt Emil Ludwig Schmidt ins Gespräch gebracht, um die durch die Gasbeleuchtung entstehende Zugluft in den Griff zu bekommen. Drei Jahre später wurde nochmals über eine elektrische Beleuchtung nachgedacht. Ein Gutachten von Ernst Hoëcker vom 13. Januar wies nochmals auf die Vorzüge dieser Beleuchtung hin. Aber erst 1889 wurde sie unter Friedrich Alfred Krupp als Beleuchtung eingeführt. Zu diesem Zwecke wurde am 10. Juli durch die Stuttgarter Firma G. Kuhn eine Dampfmaschine installiert. Die dazugehörigen Dynamos wurden zwischen dem 11. Juli und 22. August geliefert. Sieben Jahre später – zwischenzeitlich war schon ein Rundschreiben zur Verhinderung der Stromverschwendung in Umlauf gebracht worden – entstand an der Ruhr ein eigenes Elektrizitätswerk. Dieses wurde der Verwaltung des Wasserwerkes unterstellt. Bereits ein Jahr später musste das Werk um einen weiteren Dynamo erweitert werden. Da man zu diesem Zeitpunkt auf eine Zwischenspeicherung des Stroms in Akkumulatoren angewiesen war, musste auch deren Kapazität kontinuierlich erweitert werden. 1899 war die Kapazität des Akkumulatorhauses mit 1150 Ampere erschöpft. Trotzdem stieg der Verbrauch weiter. Bereits 1905 war der Verbrauch auf 2500 Ampere angestiegen, was bei der damaligen Spannung von 100 Volt rund 250 Kilowatt entsprach.

Eine Anweisung an den Hausmeister aus den Kriegsjahren gibt auch einen Hinweis auf die Leistungsfähigkeit der Warmluftheizung. So sollte der nächtliche Stromverbrauch für die elektrische Beheizung auf 20.000 Watt beschränkt werden. Zudem wurden die Pförtner angewiesen, nachzufragen, ob Beleuchtung für den Empfang erwarteter Gäste genutzt werden dürfe oder nicht. Zudem hatten diese darauf zu achten, diese wieder auszuschalten, wenn der letzte Gast gegangen war.

Ab 1931 wurden Teile der Stromversorgung von RWE übernommen. Hierbei wurden zwei Netze von jeweils 100 Volt Gleichstrom und 380 Volt Drehstrom betrieben. 1935 wurde die Beleuchtung dann nach rund 64 Jahren endgültig von Gas auf Strom umgestellt.

Telegraphen- und Telefonanlage:

Extern:

Die Telekommunikation in der Villa Hügel wies besondere Verflechtung zwischen privatwirtschaftlichem Betrieb und öffentlichem Bereich auf. So waren Teile des Personals sowohl öffentliche Angestellte als auch privat beschäftigt.

Krupp hatte bereits 1867 innerhalb des Werkes Telegraphen für die Kommunikation anbringen lassen. Gleichzeitig legte man eine Leitung zum neu erworbenen Gut Klosterbuschhof. Während die Leitungen auf dem Werksgelände auch von der Firma Krupp betrieben und gewartet wurden, scheint die Verbindung zum Gut nicht unter der alleinigen Kontrolle von Krupp gestanden zu haben. So antwortete der für die Telegraphen auf dem Werksgelände zuständige Gustav Hans Carl Diechmann sinngemäß, dass die Leitungen auf dem Werksgelände in gutem Zustand seien und die auf dem Gelände der Villa gerade erneuert würden, die hiesige Eisenbahn allerdings mehr oder weniger faul sei. Dies lässt vermuten, dass die Leitungen zwischen dem Werk und der Villa durch die Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft betrieben wurden.

Das Verhältnis zwischen Krupp und der Eisenbahn scheint auch in den kommenden Jahren angespannt gewesen zu sein. So forderte 1893 die Hügelverwaltung die Kaiserliche Oberpostdirektion auf, die Eisenbahn darauf zu drängen, die vier Leitungen entlang der Bahnstrecke zu erneuern, um eine weitere Leitung zu erweitern und zusätzlich jeweils zwei Fernsprech- und Telegraphenleitungen speziell für Besuche des Kaisers einzurichten.

Das Telefon zog im Jahr 1880 auf dem Werksgelände ein. 1883 wurde dann die erste Telefonzentrale eingerichtet. Drei Jahre später wurde schließlich auch die Villa mit einem externen Telefonanschluss ausgestattet. Dieser Anschluss kostete einschließlich der Gebühren für die Genehmigung rund 500 Mark.

Intern:

Neben der externen Telefonanlage gab es auch eine interne Anlage bestehend aus einem Klingel- und Klappensystem. Die Zentrale dieses Systems befand sich im Zimmer des Portiers im Haupthaus. Über einen Knopf wurden dann der Portier und der Diener der jeweiligen Etage alarmiert. Der Portier konnte von seinem Zimmer dann sehen, ob dem Ruf Folge geleistet wurde. Zudem hatte er die Möglichkeit, über einen Induktionswecker das Personal zentral zu wecken. Zudem gab es in den nord- und südöstlichen Zimmern einer jeden Etage ein Galvanometer, das eine Abweichung von der Raumtemperatur direkt an den Heizer melden sollte.

Uhren:

Kurz nach Einzug in die Villa wurde am 15. Dezember 1872 die zentrale Uhr der Villa, die sich im Zimmer des Portiers befand, zur maßgebenden Uhr für den gesamten Konzern. Jeden Morgen um neun Uhr sollte der Verantwortliche für die Turmuhr im Werk telegraphisch benachrichtigt werden, damit diese gestellt werden konnte. Die Turmuhr befand sich am Wasserturm des Werkes in einer Höhe von 53 Metern. Alle übrigen Uhren im Werk sollten dann um zwölf Uhr von möglichst nur einer dazu berechtigten Person entsprechend gestellt werden. Die im Werk befindlichen Uhren durften dann nicht mehr als eine Minute von der Zeit der Turmuhr abweichen. Später wurde dies auf eine halbe Minute reduziert. Geplant war sogar, jemanden damit zu beauftragen, die Uhren der Stadt nach der Turmuhr auszurichten.

Sonstiges:

Neben diesen zahlreichen technischen Einrichtungen im Haus gab es noch einiges mehr, was den neuesten Stand der Technik dieser Zeit widerspiegelt. So fanden beispielsweise ein hydraulischer Lift, das Automobil und die ersten Filmprojektoren schon bald den Weg in die Villa.

(Quelle: Wikipedia)

zurück