Über unser Projekt

Ende 2018 möchte Deutschland seine Steinkohleproduktion einstellen. Was das aber für die Region und die Menschen bedeutet, wird oft vergessen. Wie schnell Werke einfach geschlossen werden, anstatt nach Alternativen zu suchen, merkt man weltweit. Wenn man z.B. nach Amerika schaut, sieht man, in wie vielen Regionen nur noch Industrieruinen stehen und Ideen und Aktionen der Bevölkerung vor Ort, um diese Anlagen doch noch weiter nutzen zu können, werden oft einfach ignoriert oder sogar aktiv von der Politik blockiert.

Deshalb wollen wir diese Dokumentation für die Region und für die Menschen im Ruhrgebiet produzieren und versuchen, dass es gar nicht erst soweit kommt!

Wir wollen Interviews mit Bergmännern, Geschäftsleuten und Politkern führen; aufzeigen, was der Wegfall alles für die Menschen und Ihr Leben aber auch für die Firmen vor Ort bedeutet, die durch die Schließungen der Werke ihre Kunden, manchmal sogar Ihren Hauptkunden, verloren haben.

Desweiteren wollen wir zeigen, dass Kohle eben nicht nur Kohle ist, sondern welche Wirtschaftszweige noch alles mit an dieser Produktionskette hängen, wie die Stahlproduktion, die Klebstoffindustrie, die Reifenindustrie, die Feinchemie-Industrie, usw., um nur einige zu nennen.

Zusätzlich wollen wir mit einem Wirtschaftsplan aufzeigen, dass man solche Bergwerke, Stahlwerke, etc., auch ohne staatliche Subventionen gewinnbringend weiter betreiben und dadurch auch Arbeitsplätze zukunftsorientiert erhalten könnte und, besonders wichtig, wir uns als Staat nicht komplett durch die Schließungen sämtlicher Bergwerke von ausländischen Waren abhängig machen!

Um mal ein Bespiel dafür zu nennen, dass auch ohne staatliche Subventionen viel erreicht werden kann, möchte ich einmal auf die spanische Firma Mondragón Corporación Cooperativa aufmerksam  machen, die mich mit Ihrem Konzept sehr inspiriert hat!

Die Firma ist in Arbeitnehmerhand. Die Genossenschaften zeichnen sich durch Solidarität unter den Arbeitnehmern aus, die gleichzeitig auch am Grundkapital des genossenschaftlichen Unternehmensverbundes beteiligt sind und in die Entscheidungen des Führungspersonals durch demokratische Abstimmungsprozesse eingebunden werden. Die Genossenschaft hat einen personenorientierten Charakter, der die Arbeit und nicht das Kapital in den Vordergrund stellen soll. Dies trägt zu einem positiven Klima bei, welches Motivation und Produktivität der Betriebe erhöht. Die Arbeitnehmer werden am Gewinn beteiligt. Befindet sich ein Betrieb in finanziellen Schwierigkeiten, können sie mit Zustimmung der Arbeitnehmer durch Lohneinbüßen aufgefangen werden. Bei großen betriebswirtschaftlichen Problemen oder Auftragsspitzen arbeiten Arbeitnehmer kurzzeitig in anderen Genossenschaften. Beinahe alle erwirtschafteten Erlöse werden reinvestiert.

 Große Bedeutung kommt auch der Bildung (Weiterbildung) zu. Damit möchte die Genossenschaft nicht nur betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten, sondern auch ihrer sozialen Verantwortung nachkommen und ganz besonders spannend fand ich die Klausel, dass die Geschäftsleitung nicht mehr als das 8fache eines normalen Arbeiters verdienen darf. Es gilt also, so wie oben schon steht: „Arbeit ist im Vordergrund und nicht das Kapital!“

Dieses Konzept ließe sich eins zu eins auf viele Produktionsbetriebe im Ruhrgebiet übertragen und könnte somit eine Alternative zu Entlassungen und Destabilisierung bestimmter Regionen sein!

Vor allem dürfen wir nicht vergessen, dass unter Tage im Ruhrgebiet noch Millionen Tonnen von Kohle liegen und vor allem Kohle in bemerkenswerter Qualität, die sich im internationalen Vergleich mehr als gut schlägt und sehr gute Eigenschaften aufweißt und was die Zukunft bringt, weiß keiner!

Vor allem wird der Tag kommen, wo Stoffe wie Erdöl oder Erdgas aufgebraucht sein werden, höchstwahrscheinlich nicht gänzlich, weil ein Teil übrig bleiben muss, da Erdöl schließlich auch noch in genügend anderen Produkten vorkommt und sich die Produktionsfirmen dieser Produkte die letzten Reserven sichern werden, obwohl sie ja auch schon seit langem dabei sind, Erdölersatzstoffe zu finden.

Trotzdem kann der Zeitpunkt kommen, dass Erdöl nicht mehr für die Energieproduktion freigegeben wird und die erneuerbaren Energien werden dann aber höchstwahrscheinlich leider noch nicht flächendeckend da sein und dann wird wieder Hals über Kopf eine Übergangslösung gesucht werden müssen und schon heißt es:

„Ach ja, wir haben ja noch Kohle unter Tage, weil Atomkraftwerke will ja keiner haben. Also sollten wir dann doch lieber übergangsweise die alten Kohlekraftwerke reaktivieren, aber …Mist…, die Schächte müssten wir dann ja jetzt erst wieder neu öffnen, weil wir sie ja bereits alle verfüllt haben.“

Das könnte Deutschland langfristig noch einiges an Schwierigkeiten bescheren.

Durch meinen Aufenthalt im Ruhrgebiet seit Januar 2017 habe ich bereits einige ganz besondere Menschen kennen gelernt, die alle aus vollster Überzeugung sagten. „Stefan, mach ein Bergwerk auf und wir kommen sofort am nächsten Tag zum arbeiten…“ und das war nicht nur die ältere Generation, sondern es ging durch alle Altersschichten durch.

Obwohl diese Arbeit mehr als anstrengend ist, lieben sie sehr viele Menschen eben doch aus tiefstem Herzen, dort zu arbeiten, es ist immer wieder bemerkenswert, welch Herzblut bei diesen Menschen an der Kohle hängt! Ich denke, es ist diese ganz besondere Bindung der Arbeiter untereinander, weil jeder weiß, dass er in über 1.500 Meter Tiefe nur langfristig überleben kann, wenn jeder auf jeden aufpasst!

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